Ausgangslage
Sexueller Missbrauch, Kindesentführung, Straftaten Jugendlicher
aus Langeweile, Suchtverhalten, Mobbing unter Schüler/innen...
Die Phänomene sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig.
Gleichzeitig ist festzustellen, dass bei vielen Jugendlichen und ihren
Eltern die Resignation und Konzeptlosigkeit gegenüber Gewalt zunimmt,
die Zivilcourage aber eher abgenommen hat.
Präventionsexperten sehen das mit Sorge, denn entgegen der landläufigen
Meinung führt fehlende Gegenwehr eher zur Steigerung der Gewaltbereitschaft.
Aggressive Menschen sind eher verleitet, ihre Ziele mit Gewalt durchzusetzen,
wenn sie keine angemessene Gegenwehr erfahren.
Jungen, Mädchen und ihre Eltern wollen wissen, wie sie es vermeiden
können, Opfer von Gewalttätern zu werden. Mädchen erleben
Gewalt tendenziell anders als Jungen: bei Mädchen ist die Angst
vor sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen deutlich spürbar.
Jungen dagegen sehen sich vor allem durch Nötigung, verbale
Ehrverletzung und Körperverletzung bedroht.
Folgende Situationen sind typisch:
bei Mädchen
- Sie sind in hohem Maße der Gefahr von sexuellen Übergriffen
und Vergewaltigung ausgesetzt, Überfällen mit schwerer
Körperverletzung dagegen nur in geringem Ausmaß.
- Bei sexuellen Übergriffen und Vergewaltigung sind ca. 70%
- 80% der Täter den Opfern bekannt.
- Viele Mädchen und Frauen halten sich selbst für zu schwach.
Sie sind spielerische Rangeleien und Spaßkämpfe nicht
gewohnt und haben wenig Erfahrung mit angemessener körperlicher
Gegenwehr.
- Viele reagieren in einer bedrohlichen Situation eher mit Gehorsam
oder einer unterwürfig defensiven Haltung, die dem Täter
ein Machtgefühl vermittelt. Da Täter sich ihre Opfer genau
nach diesem Muster aussuchen, kann eine zunächst nur bedrohliche
Situation durch "falsches" Opferverhalten eskalieren und in einen Übergriff
münden.
bei Jungen
- Jungen sind oft von schwerer Körperverletzung durch eskalierende
Gewaltanwendung / Schlägereien betroffen. Die Anwendung sexueller
Gewalt gegen sie ist in Einzelfällen vorhanden aber eher untypisch.
- Das vorhandene Rollenbild "des starken Mannes" fördert bei
Jungen ein Verhalten, in dem sie alle auftretenden Schwierigkeiten
alternativlos mit Gewalt beantworten.
- Jungen, die dem o.g. Rollenbild nicht oder nur teilweise entsprechen
kommen mit sich selbst in unlösbare Konflikte. Anzeichen dafür
können sein: Depressionen und gegen sich oder Dritte gerichtete
Aggressionen
- Gewalt gegen andere Jungen und Mädchen sowie sexuelle Übergriffe
und Beleidigungen gegenüber Mädchen bietet den Jungen die "legale" Möglichkeit,
eigenen Frust abzureagieren oder ihr angeschlagenes Selbstwertgefühl
durch Machtdemonstrationen zu kompensieren.
- Jungen haben zu wenige identitätsstiftende männliche
Vorbilder, die zum Beispiel ihre Konflikte und Probleme offen kommunizieren,
diese – auch mit Hilfe Dritter - konstruktiv bearbeiten und
trotzdem "ganze Männer" bleiben.
